Alles GUTE zum Geburtstag
There are no translations available. 28.01.2012 Lieber Onkel Ralf, jetzt muss ich Dir schon zum 3ten Mal und Johanna zum 1ten Mal auf diese Weise gratulieren.
Alles Liebe und gute! Möge Dir das Glück auf Deiner Reise nie ausgehen! Viele Liebe Grüße Johanna und Felix und natürlich Isolde und Dein Bruder
28.01.2011 Lieber Onkel Ralf, jetzt muss ich Dir schon zum 2ten Mal auf diese Weise gratulieren.
Alles erdenklich Gute zum Geburtstag!!! auch von meinen Eltern!
Und dabei habe ich doch einen Kuchen für Dich gemacht :-)
28.01.2010 Lieber Onkel Ralf,
ich wünsche Dir alles Gute zum Geburtstag!
Möge Glück und Spass Euch allzeit auf Eurer Reise begleiten!
Gruß auch von meinen Eltern
Gabun
There are no translations available. In Gabun gibt es nicht viele Sehenswürdigkeiten, die es wert sind darüber zu berichten. Wir sind auch nur 5 Tage in Gabun gewesen und in dieser Zeit fast ständig gefahren. Das Ablaufdatum des Angola-Visums, welches wir bereits in Abuja, der Hautstadt Nigerias organisiert haben, sitzt uns im Nacken. Das Angola-Visum hat nur eine Gültigkeit – wie übrigens die meisten Visa auf unserer Reise – von 2 Monaten. D.h. wir müssen ab Ausstellungsdatum innerhalb von 2 Monaten an der angolanischen Grenze einreisen. Aus verschiedenen Internet-Reiseforen wussten wir, das wir in Abuja mit Sicherheit ein Angola-Visum erhalten. In ein paar Berichten von anderen Reisenden ist auch erwähnt, dass es in einer Stadt Namens Matadi, kurz vor der angolanischen Grenze, ebenfalls ein Visum geben soll. Diese Möglichkeit ist aber von der Anwesenheit des Konsuls abhängig, und, sollte dieser sich auf irgendwelchen Reisen befinden, kann es durchaus sein, dass für 3-4 Wochen keinerlei Visa ausgestellt werden. Wir wollen uns nicht in die „Abhängigkeit“ vom Konsul begeben und haben unser Angola-Visa deshalb bereits in Abuja/Nigeria organisiert. Den Nachteil, dass wir nun innerhalb von 2 Monaten durch Kamerun, Gabun, Kongo-Brazzaville und die Demokratische Republik Kongo fahren müssen nehmen wir notgedrungen in Kauf.
Die Visabeschaffung in den einzelnen Ländern ist übrigens auch eine spannende Sache. Hier gibt es einige Dinge, die für unser Denken „einzigartig“ sind. Es kann durchaus sein, dass in einer Botschaft eine gewisse Zeit lang keine Visa ausgestellt werden, weil die Visasticker ausgegangen sind. Entweder hat irgend jemand vergessen neue zu bestellen, oder diese wurden nicht geliefert, oder die „Bundesdruckerei“ des jeweiligen Landes ist gerade abgebrannt, der Kurierdienst überfallen worden, die Druckfarbe ausgegangen, die Druckmatrize nicht auffindbar, etc.pp.... Für uns eigentlich unvorstellbar, dass Visasticker in einer Botschaft ausgehen können. Manche Botschaften bereiten einem bei der Beantragung der Visa Probleme. Wenn man die Angestellten nach den Gründen hierfür fragt, bekommt man als Antwort, dass es für einen ihrer Landsleute noch bedeutend schwieriger wäre ein Visa für Deutschland oder die Schweiz zu bekommen. In manchen Ländern müssen diejenigen, die ein Visa für Deutschland beantragen wollen wirklich einen ganzen Stapel an Dokumenten beibringen: Geburtsurkunde, Einladung eines deutschen Geschäftspartners, Kontoauszüge etc. Ein schwieriges Thema mit ausserordentlich vielen Aspekten, die zu berücksichtigen wären. An dieser Stelle verzichte ich darauf auf dieses Thema näher einzugehen.
Insgesamt ist die Strecke, die wir durch Gabun zurückzulegen haben ungefähr 1.000km lang. 250Km gute Teerstrasse, 50km schlechte Teerstrasse, 600km Buschpiste und wieder 100km Teerstrasse. Eine gute Buschpiste ist übrigens wesentlich zügiger zu befahren als eine schlechte Teerstrasse. Auf einer schlechten Teerstrasse reihen sich 20-50cm tiefe Löcher aneinander. Manchmal ist die Anzahl der Löcher derart hoch, dass sie sich gar nicht umfahren lassen; man muss sich lediglich entscheiden, in welche der Löcher man fahren möchte. Das alles im Schrittempo; teilweise mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von weniger als 10km/h; und das wie gesagt auf einer „Teerstrasse“.
Einen Reiseführer für Gabun haben wir nicht dabei. Soweit ich mich entsinnen kann habe ich auch bei allen Recherchen überhaupt keinen Reiseführer für Gabun ausfindig machen können. Irgendwo gibt es eine Museums-Klinik in welcher Albert Schweizer mal praktiziert hat, aber wir haben keine Zeit diesen Abstecher zu unternehmen und fahren, fahren, fahren. In Gabun Buschpiste zu fahren verlangt viel Konzentration, damit man keines der Löcher übersieht ,aber ansonsten ist es eher relativ langweilig. Links und rechts der Strasse nur Bäume und man sieht abgesehen von der Strasse und einem kleinen Streifen Himmel nicht sehr viel. Also verbringen wir die Zeit damit über unsere Reise und Gott und die Welt zu philosophieren.
Aus dem Internet haben wir erfahren, dass Gabun als eines der stabilsten und sichersten Länder in Afrika gilt. Es drängt sich der Gedanke auf, dass eine geringe Bevölkerungsdichte Garant für Stabilität und Sicherheit ist. Auf einer Fläche von einem Quadratkilometer leben in Gabun im Durchschnitt nur 5 Menschen. Ähnlich stabil und sicher sind in Afrika nur Botswana und Namibia und auch hier leben im Durchschnitt nur 3 oder 2 Menschen auf einem Quadratkilometer. Statistisch gesehen haben auch Libyen und Mauretanien eine Bevölkerungsdichte von 3 Einw./km² und Zentralafrika und der Tschad eine Bevölkerungsdichte von 6 Einw./km², aber bei diesen Ländern ist zu berücksichtigen, dass ein Grossteil der Fläche aufgrund von Wüsten und Wassermangel nicht bewohnbar ist und auf dem bewohnbaren Teil die Bevölkerungsdichte deutlich grösser ist. Für uns stellt sich in unseren Gesprächen auch erstmal die Frage, was Sicherheit eigentlich ist. Gefühlte Sicherheit sowie tatsächliche Sicherheit. Hier gibt es sicherlich keine allgemeingültige Definition. Wenn uns in Gambia am Strand die Flip-Flops geklaut werden, die wir über Nacht VOR dem Laster abgestellt haben gilt dieses Land sicherlich nicht als „unsicher“: Man kann schon verstehen, dass der Fischer, der dort zum Sonnenaufgang vorbeigeht sich über dieses willkommene Geschenk freut. Und wenn er im Vorbeigehen die Flip-Flops mitgehen lässt kann man auch nicht davon ausgehen, dass er wenn wir diese im LKW aufbewahrt hätten uns mit vorgehaltener Waffe um dessen Herausgabe gebeten hätte. Der Fischer kann vermutlich nicht einfach in einen Laden gehen und sich oder seiner Frau ein paar Flip-Flop kaufen. Dafür fehlt ihm vermutlich das Geld. Wir sind uns aber darüber einig, auch wenn wir es nachvollziehen können, das Diebstahl dennoch Diebstahl bleibt.
Wenn wir andere Menschen treffen und von unserer Reise erzählen, dann treffen wir oftmals auf erstaunen: „Ihr seid durch Nigeria gefahren? War das denn nicht gefährlich?“. Wenn man sich die Statistiken der Vereinten Nationen ansieht, dann stellt man fest, dass es in Südafrika 4 mal so viele Morde gibt wie in Nigeria – pro 1.000 Personen Bevölkerung. Südafrika lockt aber dennoch viel mehr Touristen an. Südafrika wird von vielen Reisebüros als Tourismusziel angeboten. Ein Plakat, dass für einen Urlaub in Nigeria wirbt hab ich noch nie in einem Reisebüro hängen gesehen. Einige von uns werden sich evtl. auch schon überlegt haben einen Urlaub in Ägypten oder in Südafrika zu verbringen, obwohl wir gehört haben, dass es in diesen Ländern – zumindest in Ägypten – bereits Anschläge auf Touristenziele gegeben hat, aber wohl nur die wenigsten unter uns haben bereits über einen Urlaub in Nigeria oder in Togo nachgedacht. Wieso eigentlich? Weil wir bei diesen Ländern davon ausgehen, dass sie „unsicher“ sind? Einzig und allein aus der Tatsache heraus, dass sie in Afrika liegen? Iris und ich sind uns einig, dass Afrika nicht grundsätzlich „unsicher“ ist. Dafür ist dieser Kontinent zu vielfältig. Afrika ist auch nicht grundsätzlich „sicher“. Dafür sind die Unterschiede zwischen arm und reich in Afrika zu gross
In den meisten afrikanischen Ländern sind die sozialen Unterschiede zwischen arm und reich immens gross. Es gibt in vielen Ländern eine relativ grosse Bevölkerungsgruppe, die arm ist und mit nur wenigen Euro im Monat auskommen muss. Auf der anderen Seite gibt es aber auch in allen Ländern einen Anteil der Bevölkerung, der über grosse Reichtümer verfügt. In den meisten Ländern möchte man nicht arm sein. Reich aber auch nicht. Je grösser der Unterschied zwischen Armen und Reichen, zwischen Slum und Luxusvilla, zwischen Blechhütte und Hochsicherheitstrakt,desto mehr sinkt die Lebensqualität für beide Seiten. Was nützt einem der Reichtum, wenn man ständig Angst vor Überfällen haben muss, dass die Kinder entführt werden oder man im Auto an der Ampel erschossen wird. Es muss gar nicht Nächstenliebe sein, es reicht die pure Vernunft, um sich eine gerechtere Verteilung der Ressourcen in einem Land und auf dem ganzen Planeten zu wünschen.
Bzgl. unserer Gefühlten Sicherheit haben wir wirklich beide das Gefühl, dass wir auf den Autobahnraststätten im Süden Frankreichs und Spaniens am „unsichersten“ übernachtet haben. Wir haben schon einige Storys gehört, dass dort Urlauber narkotisiert und überfallen wurden. In Afrika sind wir aber bislang nie in eine derartige Situation gekommen, auch hatten wir bislang nie das Gefühl, dass die Bevölkerung uns feindlich gegenübersteht und auch nur den leisesten Verdacht, dass uns ein Überfall mit Waffengewalt drohen könnte. Was macht also die „tatsächliche“ Sicherheit und die gefühlte Sicherheit aus? Ist es nur die Fremdartigkeit der afrikanischen Länder, die uns diese als völlig unsicher erscheinen lassen? Ist es der riesige Unterschied zwischen arm und reich? Wir wissen es nicht. Aber dies ist ein Thema, welches uns sicherlich auch weiterhin beschäftigen wird.
Ein Highlight hat Gabun dann übrigens doch noch zu bieten. In Gabun überqueren wir den Äquator. Das ganze findet aber recht unspektakulär statt. An der Strasse weisst lediglich ein Schild auf die Überquerung des Äquators hin. Parkplatz, Fehlanzeige. Wir müssen mehr oder weniger etwas riskant am Strassenrand parken, um Iris Äquatortaufe zu zelebrieren. Iris ist das erste mal in ihrem Leben auf der Südhalbkugel. Der Sekt wurde hierfür kaltgestellt. Der Korken knallt und zukünftig dient genau dieser Korken als Hupenknopf für unsere Presslufthörner.
Irgendwo in unseren Köpfen spukt auch noch herum, dass Wasser auf der Südhalbkugel in entgegengesetzter Richtung in den Abfluss läuft als auf der Nordhalbkugel. Nordhalbkugel rechtsdrehend, Südhalbkugel linksdrehend. In unseren abendlichen Versuchen lässt sich dies aber nicht nachweisen. Das Wasser läuft geradeso den Ausguss hinab wie es ihm passt. Mal links und mal rechsdrehend. Irgendwas machen wir falsch. Wir bemühen also das allwissende Internet, um unseren Versuchsaufbau zu optimieren und stellen zu unserem Erstaunen fest, dass es sich hier um einen Mythos handelt, der gar nicht „unter normalen Umständen“ nachgestellt werden kann. Durch die Rotation der Erde kommt es zu einer ablenkenden Kraft, (Corioliskraft), die auf alle bewegten Teilchen wirkt. Die Wasserströmungen im Ausguss sind aber schlichtweg viel viel zu klein um hiervon beeinträchtigt werden zu können, bzw. der nördliche und der südliche Rand des Ausgusses liegen viel zu nahe beieinander.
Ganz Schabernack ist die Überlegung aber nicht, denn in einem anderen Bereich lässt sich dieses Phänomen tatsächlich beobachten. Beim Wetter: Wir kennen das aus dem Wetterbericht. Da ist es auf der Nordhalbkugel immer so, dass sich die Luftmassen in den Hochdruckgebieten im Uhrzeigersinn drehen und die Luftmassen in Tiefdruckgebieten entgegen dem Uhrzeigersinn. Und das ist tatsächlich auf der Südhalbkugel genau andersrum und der Grund hierfür ist diese Corioliskraft. Beobachten konnten wir aber auch das nicht. Nach einer halben Stunde in den Himmel starren hatten wir Genickstarre.
5 Tage Piste, 5 Tage Regenwald. Dann endlich sind wir an der Grenze zum Congo. Tschüss Gabun....aber ganz so einfach geht’s leider doch nicht. Wir sind ja in Afrika. Hatten wir schon beinahe wieder vergessen. Eine Ausreise ist nicht möglich. Die Grenze ist geschlossen. Warum, das weiss erst mal keiner und wir müssen uns erst mal durchfragen, bis uns ein höherer Grenzbeamte mitteilt, dass die Grenze aufgrund einer angeblich in Point-Noir (Congo) wütenden Polyo-Epedemie geschlossen ist. Nicht nur der Grenzübergang im Osten, bei welchem wir uns befinden. Nein, die gesamte mehrere tausend Kilometer lange Grenze zwischen Gabun und Congo ist geschlossen. Wir sind erst mal ratlos und halten Kriegsrat. Das gibt’s doch gar nicht. Dieses Point-Noir ist über 1.500km entfernt. Wie lange die Grenze geschlossen bleiben soll weiss niemand. Geschlossen ist die Grenze aber bereits seit über einer Woche. Nach einigen Diskussionen sind wir beim Bürgermeister. Nein, er wisse auch nicht wie lange die Grenze noch geschlossen bleibt, aber er könne den Gouverneur anrufen und bei ihm nachfragen, ob wir eine Sondergenehmigung erhalten. Danke, gerne, wir wollen ja auch nur Ausreisen und anschliessend nicht wieder in Gabun einreisen. Von daher dürfte es doch keine Probleme geben, da wir die Polyo-Epedemie somit ja auch nicht nach Gabun bringen können. Ein paar Stunden warten,ein paar Telefonanrufe und anschliessend liegt sie tatsächlich vor: Unsere Sondergenehmigung :-) Die Grenze liegt einige Kilometer ausserhalb der Stadt. Als wir dort eintreffen finden wir einen völlig verlassenen Grenzposten vor. Wir rufen und klopfen. Niemand antwortet. Dieses Problem lösen wir dann aber afrikanisch und betätigen uns selbständig als Grenzer, öffnen den Schlagbaum und fahren weiter in Richtung Congo. Ah, und hatte ich das bereits erwähnt? Seid Kamerun sind wir mit 3 Lastwagen unterwegs. Casper, der Holländer, der seit 7 Jahren mit seinem MAN durch die Welt gondelt haben wir bereits in Benin aufgelesen und seit Kamerun sind die beiden Holländer Gonny und John mit dabei. Das nette Mädchen, dass uns die Schranke aufhält ist Gonny.
Last Updated on Friday, 25 November 2011 20:27
Congo-Brazzaville
There are no translations available. Wer sich gegen Korruption wehren will braucht Zeit. Wer für Stempel an der Grenze nicht bezahlen will muss verhandeln. Normalerweise geht das auch. Auch in Afrika haben die “Offiziellen” nicht uneingeschränkt Zeit und Muse sich mit einem auseinanderzusetzen und normalerweise erhält man seine Stempel dann – früher oder etwas später – indem man sich einfach weigert zu bezahlen, sagt man hätte kein Geld, einen auf “nix verstehen” macht oder sich einfach gemütlich und lustig mit den Offiziellen auseinandersetzt. Aber jetzt stehen wir zum ersten mal einem Offiziellen gegenüber, der GARANTIERT mehr Zeit hat als wir. Aber beginnen wir unsere Geschichte von vorn:
Wir haben Gabun verlassen und fahren auf einer einspurigen Sandpiste in Richtung Congo. Das Niemandsland ist hier recht gross und es dauert einige Zeit bis wir an den kongolesischen Grenzposten kommen. Ein Grenzposten wie wir ihn bislang noch nicht erlebt haben. Eine Schranke, vor der die Sandpiste links und rechts mit ca. 20 Meter Zaun begrenzt ist. Vier Hütten aus Palmwedeln. Drei davon sind Wohnhütten, eines ist die Zollhütte, die im Inneren ca. 2,5x 4 Meter misst. Dies entspricht in etwa dem Volumen des Wohnkoffers auf unserem Deutz. Am hinteren Ende steht quer mittig ein Schreibtisch. Dahinter der Stuhl des Beamten. Davor 2 Stühle für “Klienten”. Rechts und links vom Eingang werden noch schnell 3 weitere Stühle dazugestellt. Es sieht so aus als wenn sich die Offiziellen – oder besser gesagt: Der Offizielle, da es hier nur einen Beamten gibt der anscheinend etwas zu sagen hat – auf eine längere Verhandlung vorbereiten. Der Beamte ist erstaunt über unser Erscheinen. “Ist die Grenze wieder geöffnet?”, frägt er uns. Wir verneinen und erklären ihm die Umstände unserer Sondergenehmigung. “Ah, er hätte sich schon gewundert. Seit 2 Wochen sei hier keiner mehr angekommen, der die Grenze überqueren wollte”. Na, das sind ja heitere Aussichten.
Wir blockieren mit unseren 3 Lastern also nicht die Grenze, indem wir vor dem Schlagbaum stehen, da hier sowieso niemand kommt. Ausserdem ist davon auszugehen, dass der Beamte aufgrund fehlender Klienten während der letzten 2 Wochen etwas “Verdienstausfall” durch nicht einzutreibende Stempelgebühren hatte. So ist es dann auch. Etwas träge nimmt das Gespräch seinen Verlauf. Wo kommt ihr her? Was macht ihr hier? Was wollt ihr im Congo? Sind alle Papiere in Ordnung? Kann ich die Papiere mal sehen? “Welche Papiere wollen Sie denn?”. Alle! So ist es meistens. Die Kontrolleure wollen “alle” Papiere sehen. Was sie sich darunter vorstellen wissen sie selbst nicht. Alle Papiere, das wäre für uns: Pro Person je einen Reisepass und einen Personalausweis, ein internationales, gelbes Impfbüchlein, eine Geburtsurkunde, ein Führerschein, ein internationaler Führerschein, ein Fahrzeugschein, ein Fahrzeugbrief, eine Versicherungsbescheinigung, eine grüne Versicherungskarte, eine Gasprüfungsbescheinigung, das Carnet de Passage (Zollpapier) und vieles mehr. Die meisten Dokumente sind allerdings in Deutsch. Grundsätzlich haben wir auch kein Problem alles herauszugeben, man muss nur ständig aufpassen, dass man auch alle Dokumente zurückbekommt und keine verschwinden.
Wir händigen also Papiere aus und alles wird inspiziert. “Ah, one document is missing, where do you have the invitation?” “Invitation?”, welche Einladung meint er denn. Er erklärt uns, dass man zur Einreise in den Congo eine Einladung oder eine bestätigte Hotelbuchung dabei haben muss. “Ok, kein Problem”, wir können ja schnell eine Hotelbuchung selber machen. Er möchte allerdings ein ausgedrucktes Dokument sehen und das scheitert schlichtweg daran, dass wir keinen Drucker dabei haben. “No problem” meint der Grenzer. Das Dokument sei zwar wichtig, aber wenn wir es nicht hätten müssten wir 150.000CFA Strafe bezahlen. “Was, 150.000CFA?”. Das entspricht etwa 225 Euronen. Da wir mit 5 Personen unterwegs sind also 45 Euro pro Person – ein stolzer Preis. Wir gehen wieder zurück in die Bürohütte. Warten erneut auf den Grenzer und nehmen die Verhandlung wieder auf. Wir teilen ihm mit, dass wir finden, dass 45 Euro pro Person etwas zu teuer sei. “Nein, nein”, meint er, wir hätten das missverstanden, die 150.000 CFA seien nicht für alle sondern pro Person und das sei halt der offizielle Preis, da könne er keine Zugeständnisse machen.
Die Verhandlung zieht sich jetzt bereits über knapp 2 Stunden. Es wird jeweils für 10 Minuten in der Basthütte diskutiert, dann ziehen sich beide Parteien jeweils zum Kriegsrat zurück, bevor sich 20 Minuten später wieder alle in der Basthütte einfinden und für weitere 10 Minuten diskutiert wird.Wir spielen einen weiteren Joker. “Sir, wir haben leider kein Bargeld dabei. Haben sie die Möglichkeit eine Kreditkarte anzunehmen?”. Wenn er jetzt geantwortet hätte “ja, kein Problem”, wäre ich glaube ich auf der Stelle in der Hütte zusammengebrochen. Es gibt aber vermutlich in dieser Zollstation nicht mal Strom und glücklicherweise verfügt sie auch nicht über die Möglichkeit Kreditkarten anzunehmen. Nein, Kreditkarteneinrichtungen hätte er keine. Ob er uns denn wenigstens zum nächsten Bankomat fahren liese und wo denn dieser sei. Der nächste Bankomat ist mehrere hundert Kilometer entfernt. Woaw, ein derart abgelegenen Ort ohne Bankomat ist sogar in Afrika schwierig zu finden. Nach einigem hin und her einigen wir uns schliesslich darauf die “Gebühr” in Naturalien zu bezahlen. Ein paar Fertigsuppen-Päckchen, eine Taschenlampe, Kleidungsstücke und ein kleines Radio wechseln den Besitzer und wir erhalten unsere Stempel.Die Menschen hier sind arm. Wir wollen zwar grundsätzlich die Korruption nicht unterstützen, aber an diesem Zollposten ist klar ersichtlich, dass es sich hier nicht um der Oberschicht angehörige Beamten handelt. Sicherlich gibt es in diesem Land noch viele wesentlich ärmere Menschen, da dieser Beamte einen Job und ein Gehalt hat. Einige Kilometer hinter dem Zollposten schlagen wir erst mal unser Nachtlager auf. Mitten auf der Piste. Hier kommt sowieso niemand vorbei. In der Nacht fängt es an zu regnen. Die Regenzeit holt uns ein. Am anderen Morgen erhalten wir erst mal Besuch von den Bewohnern aus einem nahegelegenen Dorf. Sie haben gedacht wir hätten eine Panne und benötigen Hilfe. Die Bilder hiervon könnt ihr in unserer Bildergallerie sehen.
Die Pisten werden schlammiger. Wasserdurchfahrten sind notwendig. Teilweise ist die Piste weggespült und wir kommen nur im Schrittempo voran. Einige male müssen wir erst zu Fuss erkunden welche Strecke die bessere ist. Laut Karte sind es 200km bis zur nächsten Teerstrasse. Irgendwann beginnt es dann auch noch wie aus Eimern zu regnen. Was tun? Anhalten und abwarten, oder doch weiterfahren und versuchen durchzukommen? Wir entscheiden uns weiterzufahren. Wer weiss wie lange die Piste nicht befahrbar ist, wenn es noch länger regnet. Teilweise sind die Löcher und senken so tief mit Wasser gefüllt, dass die Scheinwerfer an unserem Deutz unter Wasser sind. Wir sind das erste Fahrzeug in unserem kleinen Konvoi und gehen die Schlammdurchfahrten deshalb mit etwas mehr Schwung an, da wir jeweils nicht wissen wie griffig der Untergrund ist. Immer wieder kommen wir an Stellen, an denen die Piste mehrere hundert Meter unter Wasser steht. Wir halten, Iris läuft durch um zu sehen wie tief das Wasser ist und wie der Untergrund beschaffen ist, sehen aber, dass die Piste hin und wieder von Lastwagen befahren wird, und dass wir vermutlich nicht mit derart tiefen Löchern zu rechnen haben, die für uns nicht mehr befahrbar sind. Die Luftansaugung unseres Motors liegt auf einer Höhe von über 2 Meter. Wenn das Wasser also nicht höher als 2 Meter ist können wir zwar stecken bleiben, ruinieren aber nicht gleich unseren guten Motor am Deutz.
Casper hat bei seinem MAN die Luftansaugung deutlich niederer. Auch ist er mit vier ziemlich glatten Strassenreifen unterwegs. Für ihn ist die Fahrt auf der Schlammpiste stellenweise wie auf einer Bob-Bahn. Der Laster fräst sich durch den Matsch. Lenken ist völlig zwecklos, der Laster bleibt aber sowieso von selbst in der Spur.
Wieder eine Wasserdurchfahrt auf einer Länge von hundert Metern. Wir fahren mit etwas Schwung. Das Wasser wird immer tiefer und in der Mitte versuche ich rechts auf den Rand zu kommen. Ein böser Fehler! Ich hätte nicht gedacht, dass der Rand derart hoch ist und der Laster gerät in eine gefährliche Schräglage. Im Nachhinein das ganze nochmals durchdacht wird klar, dass man bei derartigen Wasserdurchfahrten immer in der Spur bleiben und auf keinen Fall versuchen sollte den Rand zu erklimmen.Mühsam wühlen wir uns langsam durch. Endlich nach mehreren Stunden erreichen wir die Teerstrasse. Diese Teerstrasse verdankt ihre Existenz dem Geburtsort des congolesischen Präsidenten. Von Brazzaville, dem Regierungssitz aus hat er eine durchgehende Teerstrasse bis zu seinem Geburtsort bauen lassen. Die Strasse ist insgesamt in gutem Zustand. Das Örtchen, in welchem der Präsident geboren ist bringt uns zum staunen. Normalerweise sind die congolesischen Orte recht arm. Hütten, vieles ist alt und in desolatem Zustand. Die Fahrzeuge auf der Strasse würden den TÜV oder die MFK nie bestehen. Nur hin und wieder ist ein Geländewagen neueren Baujahrs zu sehen.Ganz anders in diesem Ort. Die Gebäude sind überwiegend neu und in gutem Zustand. Die Strassen sind voll von Geländewagen neueren Baujahrs. Kolonnen von städtischen Angestellten fegen die Strassen und bewässern Blumenbeete und Bäume neben der Strasse. Es kommt uns vor wie in einer anderen Welt. Dieser Ort könnte genauso gut in der Schweiz oder in Deutschland liegen. Für eine kurze Zeit verlassen wir Afrika – zumindest optisch.Wir nehmen uns vor, dass wir, wenn wir mal wieder zu Hause sind, unbedingt nachsehen müssen, ob die Geburtsorte des Deutschen und des Schweizer Bundespräsidenten sich ebenfalls derart von den umliegenden Orten unterscheiden.Nebenan ein Bild vom modernen Flughafen.
Auf unserer Fahrt im Congo, auf den Pisten wie auch auf der Teerstrasse, kommen wir immer wieder an kleinen Friedhöfen vorbei. Zuerst erkennen wir gar nicht, dass es sich um Friedhöfe handelt. Schüsseln und Schuhe liegen verstreut herum. Erst als wir einen dieser Friedhöfe unter die Lupe nehmen erkennen wir, dass hier Frauen begraben liegen und die Schüsseln und Schuhe der jeweiligen Frau das Grab schmücken.
Vereinzelt gibt es auch Gräber mit einfachem Kinderspielzeug. Was wir nicht entdecken können ist mit welchen Dingen die Gräber der Männer geschmückt werden. Auch ist uns nicht klar wo die Männer begraben werden. Grabsteine sind zwar teuer und Schüsseln wesentlich günstiger, aber wir glauben nicht, dass auch die Gräber der Männer mit Schüsseln geschmückt werden.
Nach einer langen Fahrt auf einer guten Teerstrasse erreichen wir die Hauptstadt des Congo, Brazzaville. Von hier aus muss man in Richtung Süden auf einer Fähre den Fluss Congo überqueren. Die Fähre verkehrt zwischen den beiden Hauptstädten Brazzaville und Kinshasa. Brazzaville ist die Hauptstadt des Congo und Kinshasa die Hauptstadt der Demokratischen Republik Congo. 2 Länder, 2 Hauptstädte, das gleiche Chaos :-) Das mit den 2 Congos stiftet oft Verwirrung. Wenn man von Congo spricht ist nicht unbedingt sofort, klar um welchen Congo es sich denn jetzt handelt. Wir unterscheiden deshalb zum besseren Verständnis zwischen Congo-Brazzaville und Congo-DRC (Democratique Republique du Congo) Die Fähre Brazzaville-Kinshasa wird von den meisten Overland-Reisenden genommen. Es gibt auch noch eine Brücke über den Fluss Congo, die weiter westlich liegt. Wer allerdings die Brücke nehmen will muss bereits über einen Teil Angolas fahren und braucht somit ein Multiple Entry Visum. Es wird auch vielfach von Rebellen und Problemen mit dem Visum berichtet, weshalb wir uns entschliessen die Fähre zu nehmen.
Die Fähre Da wir vorab schon einige “negative” Storries über Schlepper und den Ticketverkauf gelesen haben entschliessen wir uns unseren Deutz erst mal im Hotel Hippocamp in Brazzaville zu parken und mit dem Taxi zum Hafen zu fahren um ein Ticket zu kaufen. Erst mal schauen wie das alles so läuft, bevor wir mit unserem fahrenden Haus in die Hafengegend fahren.
Die erste Hürde ist bereits die Zufahrt zum Hafen. “Ihr müsst Eintritt für den Hafen bezahlen”, rufen uns die lokalen Ticketverkäufer schon von weitem entgegen. “Wir wollen uns nur umsehen. Wir nehmen nicht die Fähre”. Das sei egal, jeder der in den Hafen wolle müsse Eintritt bezahlen. Das glauben die Ticketverkäufer ja wohl selber nicht. Wenn jeder aus in dem ganzen gewusel im Hafen Eintritt bezahlt hätte, dann müsste der Hafen mit goldenen Fussböden ausgelegt sein. Egal, der Eintritt kostet nur 50 Eurocent. Da ich mit Casper allein dort bin beläuft sich der Eintrittspreis somit lediglich auf 1 Euro. Wir bezahlen und gehen weiter. Das Hafengelände ist gross. Wobei es sich bei der Fährverbindung ja nur um eine Strecke geringer wie die Bodenseeverbindung Meersburg – Konstanz handelt. Behinderte dürfen die Strecke 2 mal wöchentlich kostenfrei zurücklegen. Das hat zur Folge, dass das ganze Hafengelände voll von Blinden, Menschen im Rollstuhl, Gehbehinderten oder Menschen mit einer anderen Behinderung ist. Die Behinderten werden als Kuriere und Boten eingesetzt. Eigentlich keine schlechte Idee in einem Land mit fehlendem sozialen Netz den Menschen so eine Einkommensmöglichkeit zu eröffnen.
Die ersten 2 Stunden verbringen wir damit das Büro zu suchen, wo wir ein Ticket für die Fährüberfahrt kaufen können. Fahrkartenschalter für Personen ist nicht zuständig. Polizei weiss nicht wo man ein Ticket für ein Fahrzeug kaufen kann. Wir werden von Ponzius zu Pilatus geschickt. Manchmal, wenn man ein Büro betritt muss man schon froh sein, wenn sich überhaupt jemand bemüht einem Auskunft zu geben. Hier sitzen Menschen in Uniform, die anscheinend ihren ganzen Tag damit zubringen auf den Feierabend zu warten. Zum Schluss landen wir bei Herrn Kus. Ja, er sei für die Tickets für Fahrzeuge und die Beladung der Fähre zuständig. Herr Kus ist ein älterer, ruhiger Herr der Seriosität ausstrahlt. Hm, er wisse nicht so recht, ob unsere Lastwagen auf die Fähre passen. „Die wiegen aber nur 8 Tonnen je Stück“, „Ja, das Gewicht ist kein Problem, eher die Grösse“. Wir geben die Mase unserer Lastwagen an, aber Herr Kus runzelt immer noch die Stirn. „Das beste wird wohl sein sie kommen morgen und schauen sich die Fähre erst mal an“. Puh, ich hab mir noch nie eine Fähre vorher anschauen müssen. Der Laster wiegt 8 Tonnen, die Breite ist 2,5m, die Länge 7,5m und die Höhe 3,40m. Wo liegt denn da das Problem.
„Wie viel kostet denn die Überfahrt?“, „150.000CFA pro Lastwagen“. Ich frage nochmals nach:“150.000CFA pro Lastwagen?, „Ja, 150.000CFA pro Lastwagen“. Das glaub ich ja nicht. 150.000CFA sind knapp 230 Euro. Und das für eine Strecke die kürzer ist als die Überfahrt von Meersburg nach Konstanz, wofür wir 17.50 Euro bezahlen müssen. Aber leider sind wir nicht am Bodensee, sondern am Ufer des Congo. „Kann man da bezüglich des Preises was machen?“, „Nein, das sind Fixpreise.“, „Wir sind aber 3 Lastwagen, gibt’s da keinen Rabatt?“, „Nein, Rabatte haben wir nicht.“ Wir beschliessen uns erst mal die Fähre am kommenden Tag anzuschauen, bevor wir die Verhandlungen weiterführen. 230 Euro für die Überfahrt. Das ist ein stolzer Preis. Nicht dazugerechnet, dass womöglich auf der anderen Seite noch irgendwelche „Entladegebühren“ verlangt werden. Genervt vom Trubel und hektischen Betrieb im Hafengelände treten wir unseren Heimweg an. Wir sind erst mal froh, dass wir bei einem guten Abendessen im HippoCamp relaxen können.
Am nächsten Tag gehe ich mit Iris allein zum Hafengelände. Wir haben keine Lust schon wieder Eintritt zu bezahlen – ausserdem muss bei einem Ticketpreis von 230 Euronen der Eintritt inclusive sein – und laufen einfach an den Wärtern vorbei. Die rufen uns zwar kurz hinterher, aber sonst geschieht nichts. Wegen einem Euro möchte sich anscheinend keiner auf eine Diskussion einlassen. Unser erster Gang führt uns wieder zu Herrn Kus. Er begrüsst uns freundlich und teilt uns mit, dass die Fähre etwas Verspätung hätte. Wir könnten aber gerne am Anleger warten. Ich frage ihn, ob sich bezüglich des Preises noch irgendeine Änderung ergeben hätte. Er lächelt und meint: „Nein, tut mir leid. Bezüglich des Preises kann ich nichts machen.“
Wir stehen mit vielen anderen Menschen am Anleger und warten eine Stunde bis die Fähre kommt. Schon von weitem können wir erkennen, dass die Fähre aussieht wie ein afrikanisches Flüchtlingsboot: Völlig überfüllt. Wie bei einer Street-Parade stehen die Menschen dicht gedrängt an Deck. Die Fähre legt erst mal längseits an, um die Menschen aussteigen zu lassen. Dann wird am Fahrzeuganleger angelegt, um die Fahrzeuge zu entladen. Ei, mir ist das entsetzen wohl schon anzusehen, bevor die Fähre erst mal angelegt hat. Die Fahrgäste sitzen und stehen auf den an Bord befindlichen Fahrzeugen. Puh, mir gefriert schon jetzt das Blut in den Adern, wenn ich daran denke, dass unser Laster hier mit muss. Wahrscheinlich muss man während der Überfahrt jede Schraube einzeln verteidigen. Die Fähre geht längseits und eine Gangway wird angelegt. Jetzt beginnt ein Szenario,wie wir es uns bislang wirklich nicht vorstellen hätten können. Die Menschen drängen über die Gangway. Manche versuchen sich unter der Gangway an Land zu hangeln. Die Menschen auf der Gangway werden von Offiziellen mit Schlagstöcken und Peitschen von Bord getrieben. Man erinnere sich – mehr als die Hälfte sind behinderte, die teilweise - da Blind oder gehbehindert - gar nicht so schnell von Bord gehen können. Iris stehen die Tränen in den Augen. Sowas hat sie auch noch nie gesehen. Wir kümmern uns beide nicht mehr um die Mase der Fähre, da wir uns irgendwie weder vorstellen können, das während der Überfahrt 100 Menschen auf unserem Laster sitzen, noch uns auf der anderen Seite mit Schlagstöcken von Bord treiben lassen wollen.
Wir drehen um und begeben uns wieder in das Büro von Herrn Kus. „Gibt es eine andere Möglichkeit der Überfahrt?“, „Hm, eine andere Fähre gibt es hier nirgends, aber sie können ja mal in den Frachthafen gehen und sich erkundigen, ob man die Lastwagen auch als Fracht befördern könnte.“ Wir lassen uns den Weg zum Frachthafen beschreiben, bedanken uns und verlassen das Hafengelände. Hey, wie haben alle anderen Reisenden vor uns denn diese Etappe gemeistert?
Vor einigen Tagen haben wir über die Internet-Plattform „Couchsurfing“ Kontakt mit einer französischen Familie aufgenommen die in Kinshasa lebt. Der Mann dieser Familie hat uns unbedingt geraten sich vor der Überfahrt nochmals bei ihm zu melden. Es hätte vor einigen Wochen einen Fall gegeben, wo die Offiziellen ein Fahrzeug eines Overlanders konfiszieren wollten und er hätte gute Kontakte, um eine derart missliche Lage zu vermeiden. Das alles sei kein Zuckerschlecken und man müsste in Brazzaville und Kinshasa recht vorsichtig sein. Naja, bislang haben wir noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Die Stadt ist aufregend wie jede andere afrikanische Stadt. Viele Menschen, bunte Märkte, Imbisstände, Trubel und Chaos. Wir geniessen das immer wieder. Man kann stundenlang in einem Cafe oder neben der Strasse sitzen und beobachten. Die Tage in der Stadt sind so gänzlich anders wie die Tage auf der Piste irgendwo im Busch.
Die Erlebnisse im Hafen haben uns hungrig gemacht. Einen kurzen Spaziergang vom Hafen entfernt gibt es ein paar Imbissbuden. Nicht wie bei uns der Bratwurstverkaufswagen. Viel einfacher, und auch ein wenig unhygienischer. Aber wir sind ja schon einige Monate unterwegs und unsere Mägen haben sich schon etwas an die „lokale Kost“ gewöhnt. Die Preise an den Ständen sind unterschiedlich. Manchmal kann man schon für den Preis von 20 Eurocent eine komplette Mahlzeit einnehmen. Reiss oder Maniok. Oben drauf eine schmackhafte Sauce mit Linsen oder Bohnen und einem kleinen Stückchen Fleisch.
An genauso einem Stand wollten wir auch auf unserer Fahrt nach Brazzaville essen. An einer Kreuzung, die als Bushaltestelle und LKW-Parkplatz dient hatten sich ebenso Verkaufsstände angesiedelt. Iris ist etwas wählerisch und hat nacheinander die Deckel der Töpfe angehoben und sich das Essen vorab angeschaut. „Oh, Hühnchen, wie lecker“, meinte sie, worauf die Verkäuferin nur meinte „No chicken, Bushmeat.“ und Iris fast vor Schreck den Deckel fallen lies. Bushmeat bezeichnet alle Fleischarten, die der Busch halt so hergibt. Ratten, Affen, Vögel.....man weiss es nicht so genau und wir wollen es eigentlich auch gar nicht genau wissen. Hier in Brazzaville entscheiden wir uns für lecker aussehende Egg-Sandwiches. 2 Rühreier, mit Paprika und Zwiebel angebraten in einem knusprigen halben Baguette. Falls mal einer von Euch Lust auf ein leckeres Egg-Sandwich hat – den Imbiss hier in Brazzaville kann ich guten Gewissens weiterempfehlen.
Tag 3: Der dritte Tag unserer Fährverhandlungen. Heute begeben wir uns in voller Manschaftsstärke ins Hafenviertel. John und Gonny, Caspar und wir. Mittlerweile laufen wir schon selbstverständlich an den „Eintrittskassierern“ vorbei. Heute maulen sie uns etwas hinterher, macht aber nichts. Wir gehen zuerst mal zu Herrn Kus und erkundigen uns nochmals, ob sich nicht doch am Preis was machen lässt. Wie erwartet: „Nein, am Preis kann ich leider nichts machen.“ Aber immerhin ist Herr Kus immer noch freundlich. Ok, wir klappern noch ein paar Büros ab um zu sehen, ob wir vielleicht irgendwo anders ein Ticket erhalten können, aber anscheinend ist Herr Kus für die Überfahrt unserer Trucks tatsächlich der einzig Zuständige.
Wir einigen uns darauf Plan B zu versuchen und machen eine Wanderung in den Frachtbereich des Hafengeländes. Hier geht auch erst mal die Sucherei nach den Zuständigen los und nach einigen Diskussionen mit verschiedenen in Büro sitzenden Personen landen wir bei einem dicklicheren Herrn, der anscheinend für die Fracht zuständig ist. Immerhin meint er, dass es grundsätzlich kein Problem sei die Lastwagen mit einer Barke nach Kinshasa zu befördern. Man müsse die Laster halt mit dem Kran verladen und das würde halt etwas kosten. „Nein, einer Verladung mit dem Kran kann ich nicht zustimmen.“ Ich sehe schon die ganzen Schäden vor mir, sollten die Laster tatsächlich mit einem der Krans verladen werden. „Kann denn nicht eine Barke längsseits gebracht werden und die Laster dann über eine Rampe auf die Barke gefahren werden?“ „Hm, ja das müsste auch gehen, kostet aber natürlich extra. Ausserdem müsse die Barke hierfür rangiert werden, was auch extra kostet.“ Etc.pp. Mich wundert, dass wir nicht erst mal bezahlen müssen, um überhaupt mit ihm reden zu dürfen. Wir einigen uns schliesslich darauf, dass er uns ein offizielles Angebot erstellt (siehe Bild) Wir warten, diskutieren. Das alles dauert Stunden. Dann erhalten wir das offizielle Angebot. Woaw, stolze 1.400 Euro. Irgendwie haben die hier alle einen Dachschaden.
Das Angebot umfasst die komplette Verladung der Laster. Überfahrt und Entladung sind nicht enthalten. Also können wir davon ausgehen, dass da nochmals ein stolzes Sümmchen zusammenkommt. Die Preise für die Überfahrt und die Entladung kann uns auch keiner geben. Das müssten wir dann, wenn wir drüben ankommen vor Ort verhandeln. Nicht gerade eine gute Verhandlungsposition, wenn die Laster auf einer Barke in Kinshasa stehen und man überhaupt keine andere Möglichkeit hat von Bord zu kommen als durch die offizielle Entladung. Nein, nein, so machen wir keine Geschäfte. Das ist alles zu heikel. Wir fahren zurück ins Hippocamp und diskutieren wie es weitergehen soll.
Die 260 Euro wollen wir nicht bezahlen. Weitere Verhandlungen mit Herrn Kus bringen aber offensichtlich nichts. Der Frachthafen scheidet gänzlich aus. Die werden uns garantiert übers Ohr hauen und die Preise sind astronomisch. Also ergeben sich nur 2 weitere Möglichkeiten. Wir können nach Süden bis Luovi fahren. Dort habe ich irgendwo im Internet gelesen, dass es ebenfalls eine Fähre gibt. Wie die Piste dorthin ist und ob die Fähre Lastwagen befördern kann war im Internet nirgends auffindbar. Lediglich in einem Reisebericht eines Land-Rover-Fahrers wurde die Fähre erwähnt. Falls das mit der Fähre in Luovi nicht klappt müssten wir weiter bis in die angolanisch Enklave Cabinda fahren. Dort gibt es dann eine Brücke. Einziges Problem: John und Gonny haben für Cabinda kein Visum. Wir entscheiden uns es trotzdem zu versuchen. Auf Wiedersehen Brazzaville. Abgesehen von den Offiziellen eine interessante Stadt.
Die ersten Kilometer raus aus Brazzaville sind einfach. Eine gute Teerstrasse schlängelt sich die Hügel hoch und runter. Dann geht es links auf eine Piste. Wir fragen uns manchmal wie die Reisenden vor 25 Jahre alle Pisten gefunden haben. Für uns ist es einfach. Das GPS gibt unsere aktuelle Position an unseren Laptop im Führerhaus weiter und so sehen wir immer auf verschiedenen Karten exakt wo wir uns befinden und wo wir abbiegen müssen. Eine der besten Karten ist immer noch die bereits 30 Jahre alte russische Militärkarte, die man als digitalisierte Form für den Laptop kaufen kann. Erstaunlich, dass sich hinsichtlich der Strassen und Pisten in den letzten 30 Jahre so wenig verändert hat. Einige Strassen sind mittlerweile geteert und ein paar Pisten sind nicht mehr fahrbar, aber im grossen und ganzen stimmt die Karte noch. Reisende in den 70er und 80er Jahren hatten kein GPS und auch das Kartenmaterial war dürftig. Damals musste man sich durchfragen oder einfach ausprobieren.
Die Piste, die wir in Richtung „unserer“ Fähre nehmen müssen ist anfangs gut, wird aber je weiter wir uns von der Zivilisation entfernen schlechter. Hügel hoch, Hügel runter. Irgendwo auf einem Hügel schlagen wir unser Nachtlager auf. In der Nacht beginnt es zu regnen. Am nächsten Tag ist an eine Weiterfahrt nicht zu denken. Die Piste ist schlammig und rutschig. Teilweise ist die Strecke die Hügel runter sehr steil und wir entschliessen uns nichts zu riskieren. Wir bleiben einen Tag auf dem Hügel stehen und warten ab. Gegen Mittag bekommen wir Besuch aus einem naheliegenden Dorf. Die Menschen hier haben vermutlich noch nie europäische Touristen zu Gesicht bekommen. Wir unterhalten uns – so gut das eben geht. Unser französisch ist dürftig, leider.
Am nächsten Tag ist die Piste wieder einigermassen abgetrocknet. Es geht weiter Richtung Grenze. Wir kommen zwar nur im Schrittempo voran,aber irgendwann erreichen wir sie: Die Grenze Congo-Congo.
Wie die Grenzabfertigung war? Was wir am Fährplatz vorgefunden haben? Wie es uns in der Demokratischen Republik Congo ergangen ist? Das alles könnt Ihr in unserem nächsten Bericht lesen.
Last Updated on Saturday, 26 November 2011 19:38
There are no translations available. Hier jeweils unsere neuesten Buchempfehlungen Da wir ja sehr viel Zeit zum Lesen haben werden wir zukünftig im Anhang an jeden Reisebericht noch 1-2 Bücher empfehlen, die wir unterwegs gelesen haben und für empfehlenswert halten. Nicht unbedingt die Neuesten, aber empfehlenswerte
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Erich Fromm "Haben oder Sein" Der Klassiker, den muss man einfach gelesen haben: denn immer mehr Menschen werden sich der Tatsachen bewusst: - dass Glück und grösstmögliches Vergnügen nicht aus der uneingeschränkten Befriedigung aller Wünsche resultieren.. - dass der Traum, unabhängige Herren über unser Leben zu sein, mit unserer Erkenntnis endet, dass wir alle zu Rädern in der bürokratischen Maschine geworden sind.. - dass unsere Gedanken, Gefühle und unser Geschmack durch den Industrie- und Staatsapparat manipuliert werden, der die Massenmedien beherrscht.. - dass der wachsende wirtschaftliche Fortschritt auf die reichen Nationen beschränkt blieb und der Abstand zwischen ihnen und den armen Nationen immer grösser geworden ist.. - dass der technische Fortschritt sowohl ökologische Gefahren als auch die Gefahr eines Atmmokrieges mit sich brachte, die jede für sich oder beide zusammen jegliche Zivilisation und vielleicht sogar jedem Leben ein Ende bereiten können. Kann ich denen, die ihn noch nicht gelesen haben nur empfehlen. Ralf
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Jürgen Todenhöfer "Warum tötest Du, Zaid?"
Absolut empfehlenswert und eine sehr spannende Lektüre: Es ist schwer sich aus den vielen Nachrichten, die uns jeden Tag in der Presse präsentiert werden, ein Bild zu machen das der Wahrheit weitgehend entspricht. Dies wird einem sehr gut vor Augen geführt, wenn man dieses Buch liest und einen ganz anderen Blickwinkel erlebt, als den, den man bisher gekannt hat. Im Endeffekt hilft nur: Selber hinfahren und sich eine Meinung bilden. Und ob man dann näher bei der Wahrheit ist bleibt immer noch offen.... Das Buch ist aber auf für diejenigen spannend, die nicht in unkonventionelle Gegenden reisen möchten. Gibt es doch sicherlich Anreize hier und da sein Weltbild zu überdenken.
Ralf
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